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Heute stelle ich Dir die Weinraute (Gertrudenkraut, Totenkraut) vor:

Zuerst einmal mache man sich ein Bild von dieser Zauberpflanze.

Blühende Weinraute. Man sehe, die Samenkapsel stellt das Kreuz dar.
Weinraute, ca. 40 cm hoch.

Warum ist die Weinraute auch unter dem Namen Totenkraut bekannt?

Die Weinraute war im Mittelalter gern genutzt, um sich vor dem "bösen Blick" zu schützen. Sogar der Teufel konnte einem nichts mehr anhaben. Den Toten wurde ein Weinrautebüschel, auch Totenkrautbüschel genannt, auf die Brust gelegt, in der Hoffnung, dass sich dieses Büschel zu Gold verwandeln würde und die Seele des Verstorbenen käme dann goldstrahlend im Himmel an.

Andere Geschichten besagen, das sich der Teufel gern ein junges, schönes Weib zur Gefährtin aussuchte. Anno 1589 fand im Elsaß ein Hexenprozeß gegen solch ein schönes Weib statt. Sie gab zu, das sie bereits den Verführungskünsten des Teufels erlegen war und sich unzüchtig mit ihm eingelassen hatte. Das Ganze war ihr aber nicht so geheuer und nachdem sie eine (häßliche, bucklige) Vertraute hinzuzog, um nach ihrem Rat zu fragen, da meinte diese, sie solle den Teufel mit Weinraute vertreiben. Schließlich gelang es der hübschen Maid, den Teufel mit einem Bund Raute, deren Samenkapsel das Kreuz darstellt und mit Hilfe von geweihtem Salz und Wachs, dass der Teufel reissaus nahm. Denn der starke Geruch der Raute trieb ihn förmlich zur Verzweiflung. Blöde nur, das die enge Vertraute es als ihre Pflicht ansah, diesen teuflischen Bund der jungen Hübschen dem Kirchenvorsteher mitzuteilen, denn das ward eines Bürgers Pflicht. Somit stand sich die Arme der reinigenden Kraft des Feuers gegenüber und schaute traurig auf den wohlgeformten Scheiterhaufen...

Warum ist die Raute eine Zauberpflanze?
Wer im Mittelalter Rautensaft trank oder mit sich führte, war gefeit vor Schlangenbissen. Selbst die Pest konnte einem nichts mehr antun. Der beste Beweis dafür war der Vierräuberessig (ein wichtiger Bestandteil war der Rautensaft). Vier garstige, gefährliche Räuber zogen 1720 durch Marseille. Die Pest wütete und fand viele Opfer. Die Räuber wußten um die Zauberkraft der Weinraute und mixten aus ihrem Saft und aus Wermut, Wachholderbeeren, Zimt, Muskat, Kalmus, Knoblauch und Nelken, einen Essig, der es in sich hatte. Zuerst einmal schmeckte er so schauerlich, das man glaubte, sterben zu müssen. Doch überwand man sich, so war man gefeit, gefeit vor der Pest. Sie konnte den Räubern nichts mehr anhaben. Sie stellten fest, das sie so sehr stanken, das selbst die Ratten vor ihnen davon liefen. So konnten sie bequem in die Häuser der Toten einsteigen und sich ihrer Habseligkeiten bemächtigen.

Apropos:
In Paris des ausgehenden 18. Jahrhunderts befand sich ein hübsches, gepflegtes Beet im Jardin royal des plantes m´edicinales (Königlicher Heilkräutergarten). Dieses Beet war einzigartig inmitten all dieser hohen Bäume des riesigen Parks. Ein schmiedeeiserner Zaun umgab diese Rabatte und ein Wachmann stand tagsüber Wache. Nachts verzog er sich lieber, der Wald, der war doch nachts so unheimlich.
Warum? Wie sah die Bepflanzung aus? Warum dieser Aufwand?
Das Beet war übersät mit Weinrauten. Es roch die Luft sogar nach diesen sonderlichen Pflanzen.
Nachts war hier sehr viel los. Junge Mädchen zog es hierhin. Sie stiegen über die Zaunspitzen, rissen sich ihre Kleider ein, um nur an diese Pflanzen zu gelangen. Hatte ein Mädel eine Raute gepackt, wurde diese mitsamt der Wurzel hinausgerissen und eiligst in ihrer Schürze verstaut. Schnell rannte die Diebin nach Hause, gewann Saft aus der Pflanze, trank diesen und wenn sie nicht erbrach, dann setzten heftige Bauchschmerzen ein und sie konnte sich so dem unerwünschten Kinde entledigen...Traurig, traurig!

Lassen wir die Traurigkeit beiseite und folgen dem Ruf der Wissenschaft:

Weinraute (Ruta Graveolens, stark duftend)
Aliases: Weihraute, Weinraute, Gertrudenkraut, Totenkraut, Kreuzraute, Augenkraut

Familie: Rautengewächse
ausdauernd: ja
Blätter mit Öldrüsen bestückt
Der starke Geruch soll gegen Katzen, Marder und Ratten wirken.
Verbreitung: Europa, Nord- und Südamerika, Asien
Boden: kalkhaltig
Achtung
Schwangere sollten diese Pflanze nicht als Gewürz nutzen. Kann zur Fehlgeburt führen.
Giftig, wenn im Übermaß genossen; kann hautschädigend wirken, in Gegenwart von viel Sonnenlicht (durch Inhaltsstoff Furanocumarin)
Aussehen: siehe Foto oben, kann fast 1 m hoch wachsen, gefiederte Blätter
Blüte: gelb
Blütezeit: Juni- August
Inhaltsstoffe:
ätherische Öle, Alkaloide, Rautenketon (aliphatisches Keton), Furanocumarine, Rutin (schützt die Pflanze vor UV- Strahlung), Flavon (Pflanzenfarbstoff), Thujon (dadurch Abort möglich)
Weinraute ist ein Inhaltsstoff von Grappa 

Die Weinraute in der Literatur:

Andererseits galt die Bitterkeit dieser eigenartigen Pflanze besonders in der Dichtung als sprichwörtlich. Diese ambivalente Haltung zur Weinraute wich allerdings in den letzten zweitausend Jahren einer heute fast universellen Ablehnung.

Quelle

Mattioli (lat. Matthiolus), Pietro Andrea
Matthiolus schrieb schließlich im 16. Jahrhundert:
Hilfft wider alle kalten gebresten des hirns insonderheit wider die fallend sucht, dienet wider die kalte wassersucht, reinigt die mutter nach der geburt, hilfft wider den stein, füret auß allerhand würmer, verschwendet die unkeuche Feuchtigkeit.

Die Schule von Salerno (13. Jahrhundert) lobte sie in einigen Sprüchen als Gegengiftmittel und heilsam für die Augen:
"Salvia cum Ruta faciunt pocula tuta". (Salbei mit Raute machen den Becher sicher.)
Dabei verstand man unter Becher den Giftbecher, mit dessen Hilfe man unbeliebte, politische Gegner verschwinden lassen konnte. Eine Variation dieses Spruches lautet:
"Salbei und Rauten vermengt mit Wein, lassen dir den Trunk nicht schädlich sein."
Quelle 1

Quelle2 :

Kochanleitung nach römischer Quelle:
"Gib in eine Reibschüssel Bohnenkraut, Minze, Weinraute, Koriander, Sellerie, Lauch oder grüne Zwiebel, Lattich, Senfrauke, frischen Thymian oder Katzenminze, ferner frisches Flohkraut und frischen salzigen Käse. Dies alles zerreibe gemeinsam und gib etwas Pfefferessig dazu. Richte es in einer Schüssel an und giesse Olivenöl darüber..".
Quelle:
Columella, De re rustica (Über die Landwirtschaft), XII, 59; D. Baatz (Übersetzung aus der Appendix Vergiliana, 86-118), Die Brotzeit. Moretum, Archäologische Nachrichten aus Baden 1984, Heft 32, 34-36.

Quellen:
Staudengärtnerei Gaissmayer, Zauberkräuter
"Die geheimnisvolle Welt der Zauberpflanzen und Hexenkräuter" von Gertrud Scherf, BLV Verlag
Internet: Wikipedia

Quelle1

Quelle2

Quelle3

Liebe/r Leser/in der Gartennanny
Pflanze doch die Weinraute mit ins Kräuterbeet.
Mein Besuch ist immer wieder begeistert vom Aussehen und Duft/ Geruch der Weinraute.

Bis nächsten Monat.

Bleibe mir gewogen.

Herzliche Grüße
Deine Gartennanny